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Schläfrigkeit

In diesen Tagen fällt mir auf, wie sehr Routine lähmend wirkt. Es ist nicht so, dass ich gelangweilt oder unterfordert wäre, aber die Absehbarkeit dessen, was im Alltag passiert, bewirkt, dass die Augenblicke einerseits zäher und andererseits aber auch oberflächlicher werden. Es ist auch nicht so, dass ich das als "unangenehm" empfinden würde, sondern vielmehr so, dass ich schläfriger und schwerfälliger werde.

Das mit der Schläfrigkeit ist dabei auch ganz wörtlich zu verstehen: So ausgiebig wie in letzter Zeit habe ich lange nicht geschlafen - und bin dennoch ständig am gähnen. Auch hier scheint wieder ein sich selbst verstärkender Mechanismus am Werke zu sein.

Mir fällt dabei auch auf, dass ich - wohl einem Instinkt folgend - mich immer wieder beim Gedanken ertappe, irgendeine größere "Veränderung" in meinem Leben durchführen zu sollen, etwa indem ich beruflich ein neues Projekt angehe oder sonst etwas mache. Es sind Gedankenfetzen, und es kommt mir vor, als seien sie einfach nur ein Versuch, dieser Schläfrigkeit zu entgehen. Über das Stadium des kurzen Aufflackerns kommen sie nicht hinaus, und konkrete Formen nehmen sie schon gar nicht an.



Milde Luft

Im Aufzug belausche ich ein Gespräch, in dem sich zwei ältere Damen bitterlich über das graue Wetter beschweren. Innerlich muss ich grinsen: Ich liebe diese milde, feuchte Luft, die erahnen lässt, dass das Meer doch nahe an der Stadt liegt. Mein Herz lacht, als ich ohne Mütze und Handschuhe auf meinem Fahrrad durch die Straßen fahre.



Traumerfüllung

Mitunter kommt es mir so vor, als wären manche Träume prophetisch. So hatte ich ja vor ein paar Tagen diesen Traum, in dem es um kursierende Gerüchte über mich ging, deren Existenz mich zwar zunächst ängstigte, ich mich von diesen Ängsten dann aber zunehmend befreite und mich gestärkt fühlte.

Nun fand eine persönliche Begegnung statt, bei der in mir diese uralte Geschichte wieder hochkochte, als ich mich von gewissen Pseudofreunden aus gegebenen Gründen abgewandt hatte. Eine dieser Personen lief mir zufällig über den Weg, und zwar genau jener Beteiligte, der im Zuge dieser Sache immer wieder bei unbeteiligten Dritten irgendwelches diskreditierende Zeugs bzw. auch ganz handfeste Unwahrheiten über mich gestreut hatte. Das hatte mich damals zum Einen geärgert und traurig gemacht, zum Anderen aber auch darin bestärkt, diesen Kontakt völlig abzubrechen.

Als dieser V. mir nun über den Weg lief, kamen Erinnerungen an jene Geschichte auf, begleitet von genau denselben unguten Gefühlen wie damals. Wie ein Knopfdruck, der ein Programm aktiviert. Dann aber, im Laufe des gestrigen Tages merkte ich, wie das alles merklich kippte: Auf einmal fühlte ich mich leicht und zufrieden, damals dieses ganze Elend durchgemacht zu haben. Jetzt merkte ich, dass mich das alles sogar spürbar gestärkt hat. Genau so wie in dem Traum.



Kettenreaktion

Heute wurde mir klar, wie sehr sich die neuen Übungen beim Sport, die ich seit ein paar Wochen intensiv betreibe, auf mich auswirken.

So fiel mir auf, dass da ein von den Beinen ausgehendes Bedürfnis ist, aufrechter zu gehen. Interessanterweise habe ich dabei subjektiv den Eindruck, langsamer zu gehen, kann objektiv aber feststellen, dass dem nicht so ist (so ist der Weg zur U-Bahn eher schneller bewältigt). Dieser aufrechtere Gang bewirkt aber auch, dass ich tiefer atme. Das passiert ganz unwillkürlich. Die intensivere Atmung ihrerseits bewirkt nun, dass ich ganz allgemein präsenter und klarer bin. Zumindest habe ich den Eindruck, dass ersteres zweiteres bewirkt, denn der intensivste Moment der Präsenz wird stets begleitet von einem tiefen Atemzug.

Kurzum: Das Ganze ist eine einzige Kettenreaktion, die sich wahrscheinlich noch viel weiter fortsetzt, als ich es gerade zu erkennen vermag.



Lawine

Heute kam ich dazu, viele kleine liegengebliebene Dinge in einem Zug zu erledigen:

Ich putzte die sonst gerne übersehene Ecke in der Küche, kaufte ein Hemd, entsorgte nicht mehr benötigte Kleidung, buchte die Reise nach F., brachte die Sache mit dem Konto zum Laufen, reparierte etwas am Fahrrad und brachte es für die Dinge, die ich nicht selber machen kann, zur Werkstatt, erledigte Post, usw..

Jede Sache für sich genommen eigentlich nichts besonders bemerkenswertes. Dennoch war es für mich erstaunlich zu beobachten, wie ich immer mehr in den Sog des guten Haushälters geriet, nachdem ich einmal damit angefangen hatte. Es war, als würde bei jeder erledigten Sache neue Energie für die nächste freigesetzt. Wie eine Lawine.



Traum vom Gerücht und der Marsstation

Ich befinde mich in einer Marsstation, die einigermaßen weitläufig ist, wie eine kleine Stadt. Ich höre, dass es ein Gerücht gibt, ich hätte eine Affäre mit M.´s Schwester, und dass ihre Mutter sehr sauer auf mich sei. Es heißt, ich bekäme ernsthafte Probleme, müsste mit Ausschluss aus der Station rechnen. Ich spreche mit M., der überhaupt kein Problem darin sieht, selbst wenn es wahr wäre, und treffe sogar seine Mutter, die anfangs zwar grimmig dreinblickt, dann aber freundlich lächelt. Dennoch gärt das Gerücht weiter. Ich selbst fühle mich, nach anfänglicher Sorge, nicht mehr schlecht deswegen. Eher im Gegenteil: Es ist mir egal, was man über mich spricht. Ich fühle mich stark.

Dann fällt auf der Station der Strom aus, und es herrscht eine schlimme Ausnahmesituation. Viele verlassen die Station, um irgendetwas zu reparieren, darunter auch ich. Die meisten vertragen die Marsatmosphäre aber nicht und bekommen ernsthafte gesundheitliche Schwierigkeiten. Mir dagegen geht es gut, und ich merke, dass ich mich stark und verantwortlich fühle.

Die Station stellt eine künstliche Situation dar, in der die Befangenheit regiert. Es ist die alltägliche Gesellschaft mit den ganzen Moralvorstellungen, Zwängen usw.. Selbst scheinbares Ausscheren aus dieser Befangenheit wird sanktioniert (die Gerüchte und die Angst). Diese Gesellschaft ist abgekapselt und brüchig, ist wie ein Fremdkörper auf dem Planeten. Gehe ich dieser Befangenheit auf den Grund (das Gespräch mit M. und seiner Mutter), entpuppt sie sich als leere Hülse. In einer Ausnahmesituation zeigt sich dann, dass die Freiheit von dieser Befangenheit dabei hilft, mit dieser Situation umzugehen.



Film "Die Summe meiner einzelnen Teile"

Die Summe meiner einzelnen Teile ist vielleicht der beste Film, den ich in letzter Zeit sah. Ohne jetzt hier auf sämtliche Details einzugehen, ist es vor Allem der eine Punkt, der hier herausragt:

Der Film ist kompromisslos subjektiv - auch wenn der Zuschauer das in seinem ganzen Ausmaß erst am Ende mitbekommt. Und genau wie der Hauptdarsteller im Film, erlebt jeder Mensch, der einigermaßen fühlend ist, wie sehr sich die scheinbar objektive Maschinenwelt von seinem ganz eigenen Menschsein unterscheidet - und wie das, was selbst als heilsam und echt empfunden wird, von der Umwelt als krank, abseitig und zerstörenswert gebrandmarkt wird.



Der Dieb

Heute konnte ich den Mechanismus besonders gut beobachten, mit dem der Verstand das Leben in seinen Besitz zu bekommen versucht, und ihm dadurch jede Leichtigkeit zu nehmen vermag.

Der Anlass oder die "Geschichte" dazu ist denkbar simpel: Gewisse "Zufälle" oder "glückliche Umstände" waren gestern eingetreten, die dazu geführt hatten, dass irgendwelche Kleinigkeiten bei der Arbeit (über die der Verstand als sog. "Probleme" gegrübelt hatte) sich von alleine gelöst hatten. Heute morgen dann, beim Frühstück, stellte ich an mir eine ausgeprägte Leichtigkeit fest, als mir klar wurde, dass ich mich da mit Windmühlen auseinandergesetzt hatte. Ein echtes Gefühl von Freude machte sich breit.

Schon kurz darauf aber, als ich mich auf den Weg zur Arbeit machte, verengte sich das alles wieder. Wie eine leiernde Platte setzte sich der Verstand mit anderen, aber genauso gearteten weiteren Windmühlen auseinander. Und wie durch Scheuklapen begrenzt, verengte sich das Gefühl der Freude wieder, und es machte sich eine zähe, kalte Stimmung in mir breit. Immerhin: Zu frisch noch war die eben noch empfundene Freude, um diesen Wechsel nicht doch zu bemerken - und wie einen Dieb auf frischer Tat, ertappte ich den Verstand, der da hereingeschlichen war.



Religion

Aus einer Mail, die ich gerade verschickte:

Bei mir ist es so, dass ich in der Regel sehr viel "auf Achse" und unter Menschen bin - sowohl bei der Arbeit, als auch privat. Das Schreiben bietet mir dann immer wieder einen wohltuenden Anlass, zu mir selbst zu kommen und dort Ruhe zu finden. Oft habe ich es erlebt, dass ich mich völlig verwirrt und gehetzt ans Schreiben gesetzt habe, und dann gestärkt und zentriert wieder davon aufgestanden bin.

Vielleicht mag es ja so wirken, dass ich mich damit im Kreise drehe, aber ehrlich gesagt empfinde ich das gar nicht als Makel. Wenn man kreist, dann ist da ja auch ein Zentrum. Das Gegenteil solch einer Kreisbewegung wäre übrigens so etwas wie geradlinige Weiterentwicklung oder Selbstverbesserung - und die kann oder möchte ich mir nicht auf die Fahnen schreiben. Ich möchte auch nicht wie eine Gewehrkugel durchs Leben fliegen. Auch bei G.-L. sehe ich da nichts derartiges, selbst dann, wenn er über irgendwelche neuen Erkenntnisschübe schreibt. So neu sind die meistens gar nicht - sie sind nur zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten gewesen, und werden nun wiederentdeckt. Von daher ist die "Selbsterkenntnis" wohl eher eine Wiedererinnerung an etwas, das man vergessen hat. Immer wieder von neuem. "Religion" kommt von "religare": WIEDER anbinden.



Freiraum

Angesichts der aktuellen Einträge in anderen Blogs bringt mein Verstand die Frage auf, warum ich diese Schreiberei hier immer noch weiterverfolge - und ob das nicht vielmehr eine Flucht vor dem realen Leben sei.

Wie gesagt: Es ist wieder einmal der aufgeplusterte Verstand, der sich hier mit solch einer Frage abmüht. Und die Antwort darauf ist eigentlich auch ganz simpel: Das Schreiben empfinde ich als Teil meines Alltags, ein wenig so wie das Zähneputzen: es fehlt mir, wenn ich es sein lasse, es ist aber nichts, in dem ich irgendeine Großartigkeit suchen würde.

Aber vielleicht ist es eben doch noch mehr als das Zähneputzen.

Es ist so traurig, zu beobachten, dass viele Menschen immer einen "Zweck" oder einen "Sinn" in etwas suchen müssen. Und selbst aus dem legitimen und völlig natürlichen Drang nach Selbsterkenntnis wird dann ein riesig-kompliziertes Projekt fabriziert, Druck aufgebaut, Krampf erzeugt. Dass dabei bereits der gesamte Ansatz falsch ist, wird natürlich großzügig übersehen: die Leichtigkeit des Lebens wird durch eine starre Erwartungshaltung ersetzt, durch Vorschriften, Maßgaben, Blut-Schweiß-Tränen-Geschwätz.

Es ist auch hier nur wieder der Verstand, der hochkocht, und jetzt endlich ("Verdammt noch mal!") die "Wahrheit" erkennen und sie dann am liebsten in eine Schublade stecken oder eingerahmt übers Wohnzimmersofa hängen möchte. Am Ende, wenn man dann vor dem großen Scherbenhaufen steht (denn irgendwann merkt selbst der gößte Dumpfbock, dass die Lebensfreude abhanden gekommen ist), wird dann alles auf einem großen Scheiterhaufen des Frustes verbrannt, bzw. das Kind mit dem Bade ausgeschüttet: Weil die Methode nicht überzeugt hat, war der Anfangsimpuls wohl falsch.

Für mich bedeutet die Schreiberei ganz einfach Freiheit. Darin mit bierernster Miene einen tieferen "Zweck" suchen zu wollen ist Kleinkrämerei. Dieser Blog stellt nicht mehr und nicht weniger als einen Freiraum für mich dar, den ich nicht missen möchte - und sei es einfach nur wegen der Freiheit, hier etwas nach alltäglichen Maßstäben völlig sinnloses zu tun. Ich könnte es noch anders formulieren: Es bereitet mir ganz einfach Freude, hier immer wieder zu schreiben. Braucht es da noch weitere Erklärungen? (Und dass diese Freude womöglich eine Folge oder Begleiterscheinung der Selbsterkenntnis ist, mag ja sein, aber auch diese "Erkenntnis" ist von untergeordneter Wichtigkeit.)



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