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Über die Manipulation der Menschen: Die sog. "Klimalüge"


Derzeit kocht im Internet (und nicht nur da) eine Diskussion hoch, in der sogenannte "Klimaskeptiker" bezweifeln, dass es einen Klimawandel gibt, oder wenn es ihn doch gäbe, dann sei er zumindest nicht menschlichen Ursprungs. Stattdessen wird die Befürchtung geäußert, jene, die vor einem Klimawandel warnen und zu Taten aufrufen, ihn zu verhindern, seien interessengesteuerte Lügner, deren Ansinnen die Errichtung einer "Ökodiktatur" und eine damit verbundene Ausbeutung der Menschen sei.

Es ist sehr interessant, diese Diskussion zu verfolgen, sieht man doch daran, auf welche Weise Manipulation stattfindet, bzw. mit welchen Mitteln sie arbeitet.

Eines dieser Mittel ist die Stiftung von Verwirrung. In ausgesprochen wilder und unübersichtlicher Weise wird da mit "Fakten" und "Argumenten" aufgewartet, denen ein wissenschaftlicher Anstrich gegeben wird, ohne dass das entsprechende Fundament vorhanden wäre, die aber in ihrer erschlagenden Fülle verwirrend sind, und die in dem, der sich ihnen aussetzt, den Eindruck hinterlassen müssen, dass wohl "irgendwas" dran sein muss - auch wenn man es gerade selbst nicht verstehe. So wird zum Beispiel darauf verwiesen, dass die Kimaerwärmung auf eine verstärkte Sonnenaktivität zurückzuführen sei, wobei als Argument auf die mittelalterliche Warmzeit verwiesen wird. Im nächsten Atemzug wird dann behauptet, der Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre sei ja sowieso viel zu gering, um überhaupt eine Wirkung haben zu können. Daraufhin folgt dann die Behauptung, dass die Temperaturmessungen, die eine Klimaerwärmung beweisen, sowieso unter falschen Voraussetzungen vorgenommen wurden, weshalb es eine Klimaerwärmung ja gar nicht gäbe. Dass dieses Argument in krassem Widerspruch zu der Behauptung steht, die vorhandene Klimaerwärmung sei auf die Sonnenaktivität zurückzuführen, ficht da anscheinend niemanden an. Usw.. Kurzum: Verwirrung wird als Methode eingesetzt, um die Menschen empfänglich zu machen. Auch offensichtliche Widersprüche werden dafür in Kauf genommen - bzw. sind ein Hinweis darauf, dass eigentlich die, die Verwirrung stiften, selbst die Verwirrten sind.

Das zweite Mittel ist die Vereinfachung. Da geistert etwa in einschlägigen Internet-Seiten eine Kurve herum, die anhand der mittelalterlichen Warmzeit die Sonnenaktivitätsthese beweisen soll. Schaut man sich diese Kurve genauer an, dann erkennt man, dass sie in einer Weise geglättet worden ist (d.h. mit bestimmten mathematischen Verfahren so angepasst wurde), dass jegliche relevante Information dabei verlorengegangen ist. Eine derartige Verfahrensweise würde bei jeder Diplomarbeit zur Disqualifikation führen. Ein weiteres Beispiel für die Vereinfachung stellt auch das "Argument" dar, wie es denn bitte schön eine Klimaerwärmung geben könne, wenn der diesjährige Winter so kalt sei. Der Fakt, dass dieser Januar global gesehen der drittwärmste überhaupt ist, scheint da keine Rolle zu spielen (Dass Europa durch eine klimabedingte Umlenkung der Meeresströmungen im Schnee versinken könnte, war übrigens schon immer eine Befürchtung derer, die vor der Klimaerwärmung warnen.). Das sind lediglich zwei Beispiele.

Das dritte Mittel, an dem die gezielte Manipulation erkannt werden kann, ist die zur Schau getragene Empörung. Sie tritt in vielfältigen Formen auf, die alle gemeinsam haben, dass sie an die Emotion appellieren: Da sind zum Einen die Ironiker, die durch bewusst pointierte Gags jeder Ernsthaftigkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen versuchen, etwa mit Hinweisen darauf, dass es in Washington schneite, während dort über die Klimaerwärmung debattiert wurde. Weiterhin gibt es jene, die in jeder auf konkrete Handlungen abzielenden Maßnahme sogleich eine Bevormundung, ja, eine Versklavung sehen, und mit Vehemenz dazu aufrufen, sich dagegen zu wehren. Dies geschieht unter Verwendung von emotional beladenen Begriffen wie "Faschismus" und "Diktatur", und nicht selten auch durch persönliche Diffamierungen. Jeder Fehler, deren es auch in der seriösen Wissenschaft etliche gibt, wird gleich als großangelegte Betrugskampagne bezeichnet, und als Aufhänger für immer wieder gleiche Behauptungen hergenommen.

Interessant ist dann vor Allem, auf die Motivation derer zu schauen, die derartige Kampagnen starten bzw. daran teilnehmen.

Zum Einen sind da die, die damit ganz konkrete Interessen verbinden. Die Tatsache, dass es einen "Verein" gibt, der jeder Schule, die es möchte, umsonst umfangreiches Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellt, in dem jene "Argumente" der Klimaskeptiker einseitig dargestellt werden, zeigt, dass es offenbar Gruppen gibt, die erhebliche finanzielle Mittel lockermachen, um diese Debatte zu führen. Die Frage "cui bono?" (wem nützt es?) mag die Antwort darauf liefern, wer diese Gruppen sein könnten. Vielleicht jene Länder oder Firmen, die Erdöl verkaufen möchten? Oder jene, die Scheindebatten starten möchten, um von der Systemkrise abzulenken?

Die zweite Motivation besteht offensichtlich in der Eitelkeit gewisser "Wissenschaftler" und anderer Diskutanden, von denen ich (häufig am schrillen Tonfall erkennbar) den Eindruck habe, sie möchten einfach nur ein wenig Aufmerksamkeit und Ruhm abbekommen - und sei es in einem kleinen Kreis von Meinungsbrüdern, in dem sie dann so etwas wie Platzhirsche sein können. Diese Menschen sind dann die, deren Eitelkeit dafür missbraucht wird, die Interessen der erstgenannten Gruppe zu vertreten.

Die dritte und einzig legitime Motivation zu einer solchen Kampagne ist das tatsächliche Bedürfnis nach Wahrheit, getragen von gesunden Zweifeln an einer als allgemein anerkannt geltenden "Lehrmeinung". Tatsächlich bin ich der Letzte, der Zweifel, an was auch immer, als dumm abtun würde. Allerdings sind Zweifel immer nur der Anfang von Wahrheitssuche, und nur dann wertvoll, wenn auch Zweifel am Zweifel zugelassen werden, also wenn Offenheit in jeglicher Beziehung vorhanden ist. Genau das vermisse ich leider bei so ziemlich allen Beiträgen, die ich zum Thema lese. Tatsächlich bewirkt die Führung einer Kampagne wie dieser nichts als die Auskristallisation von Urteilen - und die Wahrheitssuche ist dann zur Farce geworden.

Es ist dieses vielleicht der traurigste Aspekt an dieser ganzen Debatte, da hier ein redlicher Anfangsimpuls dem Hang erliegt, durch den Bezug einer bestimmten Position in Erstarrung und Unbeweglichkeit zu verfallen. Dieser Hang hat seinen Ursprung im Verstand, der stets die Kontrolle bewahren möchte und deshalb immer auf die Manipulation einer Situation aus ist. Es ist letztendlich die Korruption des anfänglichen unschuldigen Wahrheitsimpulses durch den Verstand. Hier findet die Manipulation "nur" im Inneren des jeweiligen Menschen statt. Es ist Selbstmanipulation.

Eigentlich habe ich bislang so gut wie keinen einzigen Beitrag gefunden, der in diesem Thema Ernsthaftigkeit im Sinne von echter Wahrheitssuche für sich beanspruchen kann. Auf den vielleicht besten dieser wenigen möchte ich an dieser Stelle verweisen:

Klimaskepsis - eine heiße Debatte

Zu guter Letzt muss natürlich klar sein, dass diese genannten drei "Stilmittel" zur Manipulation (Verwirrung, Vereinfachung und Empörung) die immer gleichen sind, und stets dann zum Einsatz kommen, sobald es darum geht, auf Menschen in einer bestimmten Richtung einzuwirken. Das war im Nationalsozialismus schon so, im "real existierenden" Sozialismus, in diversen religiösen Auseinandersetzungen usw.. Es ist sozusagen der Dreiklang der Manipulation. Diese Kimadebatte ist da nur ein besonders offensichtliches und aktuelles Beispiel. Ihre Verwendung oder Nichtverwendung ist letztendlich auch genau das Maß, an dem man die Ernsthaftigkeit einer Auseinandersetzung oder deren Mangel wirklich erkennt.

 

Berlin, 05.03.10


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