Um Alternativen finden zu können, sollten zunächst die Ursachen und die Natur der aktuellen Krise
verstanden werden. In den letzten Monaten wurde dankenswerterweise von etlichen engagierten Menschen genau diese Ursachenforschung
betrieben und publiziert (vgl. Verweise zum Thema) – meistens im Internet, da die herkömmlichen Medien
zu dem unbefangenen, tabufreien Blick von außen, der hier Not tut, schlichtweg nicht mehr in der Lage sind. Sie sind schon
lange zu sehr selbst Teil der Ursache, als dass dort echte Aufklärungsarbeit geleistet werden könnte. Obwohl die Dinge, die ich im folgenden
darlege, bereits woanders in wahrscheinlich viel umfassenderer Weise dokumentiert sind, ist es für mich wichtig, selbst noch einmal diese Zusammenfassung zu schreiben -
denn dabei findet Klärung in mir selbst statt.
Der aktuelle Zustand stellt eine Krise historischen Ausmaßes dar, deren Tragweite von den allermeisten Menschen
immer noch nicht annähernd erfasst wird. Ihre Ursache ist ein gesellschaftlicher Konstruktionsfehler, der trotz
(oder vielleicht sogar wegen) seiner Offensichtlichkeit bislang kaum Beachtung fand bzw. sogar bewusst
verschleiert wurde, und der in der Art begründet liegt, wie in unserer Gesellschaft Geld erschaffen
und in Umlauf gebracht wird. Er kann anhand eines einfachen Beispiels schnell beschrieben werden:
Max und Moritz nehmen je 1000 € Schulden bei einer Bank auf und verpflichten sich, in einem Jahr inklusive
Zinsen 1100 € zurückzuzahlen. Dieses Geld, das die Bank verleiht, existiert aber zunächst gar nicht. Erst in
dem Moment, in dem die Kreditverträge unterschrieben werden, wird eine Summe von 2000 € sozusagen aus dem Nichts
„geboren“und kommt über Max und Moritz in Umlauf. So entsteht heutzutage Geld – das sogenannte „Fiat-Geld“
(in Anlehnung an die Bibel: „fiat lux“ – es werde Licht). Das Problem ist jedoch: es entstehen nur 2000 € –
es sollen aber 2200 € an die Bank zurückgezahlt werden. Soviel Geld existiert aber noch gar nicht. Nun gut,
die beiden Helden tun das Naheliegende: Sie treiben Handel miteinander und Max gelingt es in diesem Zuge,
Geschäfte zu seinem Vorteil zu machen, was heißt, von Moritz die zusätzlichen 100 € zu erhandeln, und kann
so seine Schulden bei der Bank rechtzeitig begleichen.
Da nun aber nur noch 900 € im Umlauf sind, wird Moritz seine Schulden niemals zurückzahlen können.
Er ist pleite. Zum Glück aber gibt es noch Hinz und Kunz und Motzki und Rotzki, die ebenfalls Schulden
aufnahmen. Sie alle „wirtschaften“ miteinander, auf dass es jedem von ihnen gelingen möge, genügend Geld
für die Tilgung von Schuld und Zins zusammenzubekommen – was zwangsläufig nur manchen von ihnen gelingen
wird, da ja insgesamt weniger Geld in Umlauf ist, als die ausstehenden Schulden eigentlich erfordern. Die,
die es nicht schaffen, genügend Geld zusammenzubekommen, sind die Verlierer des Spiels: sie ackern und ackern
und kommen auf keinen grünen Zweig. In ihrer Not nehmen sie neue Schulden auf um die alten zu finanzieren.
Kurzum: Es ist ein Spiel, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt – und bei dem der Hauptgewinner bereits zu
Beginn des Spiels feststeht: die Bank. Die Bank gewinnt immer. Das Ganze ist wie ein Kettenbrief, bei dem
Schulden durch noch größere Schulden finanziert werden. Gewinnen tut vor Allem der Erfinder des Kettenbriefes.
In diesem System wird permanent Zwang auf die Teilnehmer des Spiels ausgeübt: Der Zwang, die Schulden zu
begleichen, indem das dafür benötigte Geld den anderen Spielteilnehmern „abgeluchst“ wird. Da sie alle um
dieselbe Mohrrübe bemüht sind, die ihnen ein Dritter vor die Nase hält, betrachten sie sich gegenseitig als
Konkurrenten, als Feinde gar. Die Menschen laufen dabei im Hamsterrad der Schuldenbegleicherei, und verbraten
auf diese Weise ihre Lebenskraft - und auch die, die selbst keine Schulden haben, können der Knute nicht
entfliehen: im Preis eines jeden Artikels, den sie erwerben, ist ein ganz erheblicher Schuldentilgungsanteil verborgen. Die
Schulden sind so etwas wie eine Peitsche, die die Menschen zu immer größeren Leistungen bis zur Selbstaufgabe
antreibt. Man kann das gut und richtig „Sklaverei“nennen, und das politische System, das sie fördert,
„Diktatur“. Es ist nicht die plumpe Diktatur eines durchgeknallten Autokraten, sondern die viel gefährlichere
unterschwellige Diktatur betrügerischer Spielregeln.
Die Schulden können aufgrund dieser Spielregeln natürlich niemals beglichen werden, sondern müssen immer
weiterwachsen. Dabei wird die Absurdität und Falschheit dieses Spiels irgendwann auch für den größten Deppen
offensichtlich. Und genau in dieser Zeit leben wir gerade: Der ganze Schwindel wird offenbar. Die Gewinner
der Krise haben zu diesem Zeitpunkt ihren Gewinn aber schon längst in Sachwerten angelegt oder anderweitig ihre
Schäfchen ins Trockene gebracht. Lange bevor das Spiel endet. Sie haben ja selbst die Regeln des Spiels
festgelegt, wussten also von Anfang an, wohin es führen würde. Ist das Spiel dann aus, zahlt die Zeche der
Verlierer.
Das ist es, was wir jetzt "Krise" nennen.
Die aktuelle krisenhafte Zuspitzung ist somit nur die neueste einer ganzen Reihe von Entwicklungen, die bereits
seit Jahrzehnten einem festgelegten Plot folgt. Wie eine Lokomotive auf ihrem Gleis. Es ist eigentlich gar
keine „Krise“, sondern eine absolut folgerichtige Konsequenz dessen, was wir unser „Gesellschaftssystem“
nennen – und für den, der die Spielregeln kennt, kommt sie auch kein bisschen überraschend. Die Auswirkungen
des zwangsläufig immer drückender werdenden Schuldenjochs sind ja auch bereits seit Jahren konkret spürbar,
und nicht erst seit gestern: Dass die Menschen immer weniger Zeit zur Verfügung haben, mit ihrem Geld aber
dennoch immer schlechter über die Runden kommen, hängt damit zusammen, oder dass Kinder in dieser leistungsbetonten
Welt das größte Armutsrisiko darstellen, weshalb ja auch immer weniger Kinder zur Welt kommen, oder dass die
infrastrukturellen Leistungen des Staates im Laufe der Jahre immer schlechter wurden und weiter werden, weil
die Zinslast die Steuereinnahmen auffrisst, usw.. In diesen Tagen wird nun allmählich der Punkt erreicht, wo der
Druck die Belastbarkeit der Gesellschaft übersteigt.
Nicht zum ersten Mal läuft das übrigens so ab: Dasselbe passierte in der 1. Weltwirtschaftskrise genau so
schon einmal. Damals, in der großen Depression der 20er und 30er Jahre kam an diesem Punkt der Entwicklung
den Profiteuren der Krise – also den Gewinnern des Spiels – dann einer wie Adolf Hitler gerade recht: Er
lenkte durch seine Wüterei von den wahren Ursachen des ganzen Elends ab, weshalb die, die profitierten, ihn
allzu gerne unterstützten und finanzierten – und es ist kein Geheimnis, dass der Hitlersche Raubzug ganz massive
(finanzielle) Unterstützung aus verschiedensten, auch unvermuteten, Richtungen erhielt. Und Hitler wusste um
diese Abhängigkeit: Wer etwa glaubt, er hätte die Schweiz deshalb nicht seinem „Großdeutschen Reich“ einverleibt,
weil er so großen Respekt vor den aufrechten Eidgenossen hatte, ist ein naiver Träumer. Die Schweiz war in
Wirklichkeit das finanzielle Atemloch des nationalsozialistischen Ofens: Durch sie liefen die Finanzströme,
die das Regime für sein Überleben brauchte. Und warum das alles? Durch das Führen dieses Weltkrieges konnte
das Spiel „resettet“ werden, ohne die Regeln ändern zu müssen. Es wurden auf diese Weise Spuren verwischt und
Energien kanalisiert – um so einen Neuanfang exakt desselben Spiels in die Wege zu leiten. Der Beginn des
2. Weltkriegs gilt als das Ende der großen Depression – und als der Beginn der 2. Spielrunde, deren Ende wir
jetzt gerade als „Krise“ erleben. (Und passend dazu: Angesichts gewisser Ungereimtheiten um die Vorkommnisse
des 11. September, stellt sich z.B. auch die Frage, ob es sich bei diesem Anschlag womöglich doch eher um einen
Ablenkungsversuch von der sich damals schon abzeichnenden Krise und ihren wahren Ursachen handelte, als um einen
islamischen Bekehrungsversuch. Bei solchen Dingen sollte man sich immer die Frage stellen: „Cui bono?“ – Wer
profitiert?)
Einem Außerirdischen, der unseren Planeten aus seinem Raumschiff ganz unbefangen betrachtet, stellt es sich
wohl zwangsläufig so dar, dass es hier unter den Eingeborenen eine Art rituelles Opferspiel mit Spielregeln und
Spielgeld gibt, dessen Sieger und Verlierer von vornherein feststehen, und an dessen Ende die Verlierer mit ihrer
Existenz bezahlen, auf dass das Spiel von Neuem beginne. Und alle spielen da mit, als gäbe es keine andere
Möglichkeit.
Er würde glauben, hier gäbe es nur Verrückte.
Berlin, 27.06.09