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Zeitgeisting


Hakim Heinz Khan: Zeitgeisting

Obwohl ich kein Freund von falscher oder neu erfundener Rechtschreibung bin (zumal, wenn sie das Lesen eher erschwert als erleichtert): Der abgebildete Text bringt viel wichtiges auf den Punkt.

Von außen kommende Eindrücke setzen sich in meinem Gehirn fest und legen sich wie eine dicke Schicht über meine Wahrnehmung. Sie sind in der Regel sehr grob und vermögen sich wie mit Widerhaken in meiner Struktur festzusetzen und ihr überzustülpen. Diese Schicht droht dann, mein eigenes Empfinden zu überlagern, und es schlimmstenfalls sogar auszulöschen. Das merke ich etwa daran, dass ich mich dabei beobachte, wie ich irgendeine kürzlich aufgeschnappte Sache nachplappere, ohne dass ich dabei das Gefühl hätte, ich sei es, der da spricht, bzw. daran, dass ich mich mit Themen beschäftige, die mich nicht wirklich betreffen. Dann läuft irgendein Programm ab, das auf ein Stichwort hin anspringt. Wie eine Maschine.

Dieser Automatismus ist allgegenwärtig. Er ist Teil meiner Funktionsweise. Dagegen aktiv anzukämpfen ist aber schlichtweg sinnlos, denn wenn ich mich gegen diese Programme wehre, dann richte ich mich in Wirklichkeit genauso nach ihnen, als wenn ich sie mir zu eigen machte. Wer gegen den Strom schwimmt, ist genauso unfrei wie der, der mit dem Strom schwimmt. Die einzige Möglichkeit, damit umzugehen, ist die Kultivierung des eigenen Ausdrucks. Dadurch stärke ich das, was in mir lebendig ist, und mache es unabhängiger von den von außen einströmenden „Programmpaketen“ (die in der Regel konventionelles gesellschaftliches Denken transportieren, und sich darin bestätigen und verstärken). Sie können sich dann nicht mehr so einfach festsetzen, sondern zerplatzen wie Seifenblasen.

In der Praxis ergibt sich dann oft das, was die Außenwelt als „unbelehrbar“, „stur“, „autistisch“, "exzentrisch" und „abgehoben“ empfindet. Die Folge ist der Schmerz, nicht verstanden oder sogar abgelehnt zu werden. Dieser ist aber allemal dem Gefühl der Taubheit vorzuziehen, das sich unweigerlich einstellt, wenn ich mich der Konvention blind ergebe. Dieses fühlt sich zwar im ersten Moment „angenehm“ an, hinterlässt aber stets den gleichen unangenehmen Beigeschmack, mein Leben zu verpassen.

Berlin, 24.05.09


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