Einschau Blog
Ungeduld 3
Gerade wieder beobachte ich den prinzipiellen
Unterschied zwischen einer Unternehmung, deren Ausgang
ich selbst (komplett) in der Hand habe, und einer
Unternehmung, deren Ausgang auch vom Verhalten anderer
Menschen abhängt.
Bei letzterer stellt sich an einem gewissen Punkt
immer eine Art Unwohlsein und Gehetztheit ein. Ich
finde dann keine Ruhe und kann die Dinge auch nicht
genießen bzw. in ihrer ganzen Tiefe wahrnehmen und
wertschätzen. Alle Wahrnehmungen bleiben in diesem
Zustand oberflächlich und unbefriedigend.
Das ist kein neues Phänomen bei mir. Neu ist eher die
Erkenntnis, dass auch hier wieder Ungeduld die Ursache
ist. Ich schaffe es offensichtlich nicht, mich zurück
zu lehnen und dem Erfolg (oder auch Misserfolg) eines
Projektes seinen freien Lauf zu lassen. Vielmehr
glaube ich, für alles verantwortlich zu sein und
notfalls nachhelfen zu sollen. Und da das nicht
klappen kann (weil es ja nicht nur von mir abhängt),
entsteht ein Misston in meinem Erleben.
Das kann jede Art von Unternehmung betreffen: privat,
beruflich, gesellschaftlich. Aktuell tut es das auf
allen Ebenen.
Ungeduld 2
Anhand mindestens zweier aktueller Erlebnisstränge
stoße ich auf eine Erkenntnis, die mir immer klarer
wird:
Ich neige dazu, auch dann meinem Glück nachhelfen
zu wollen, wenn es bereits vor der Tür steht. Es
handelt sich um das Laster der Ungeduld. Aus dieser
Haltung heraus beging ich in der Vergangenheit stets
meine größten Fehler. Zum Teil waren es Fehler, die
nicht mehr korrigierbar waren, und die ich im
Nachhinein als verpasste Chancen betrauerte.
Was da helfen würde, wäre die Bereitschaft, den
Dingen ihren Lauf zu lassen und sie einfach nur zu
beobachten - und zu genießen. Es ist im Endeffekt
eine Frage der Demut. Somit ist Ungeduld nichts
anderes als Hochmut.
Petrokapitalismus
Vermutlich lacht man sich in der gesamten Galaxie
gerade scheckig über diesen Planeten und seine
Bewohner:
Dass man allen Ernstes so dumm sein kann, den
mühsam von der Natur in Jahrmilliarden in die
Erdkruste eingelagerten Kohlenstoff binnen einiger
Jahrzehnte zur "Energiegewinnung" in die
Atmosphäre zu blasen, ohne auf die Folgen zu
schauen. Und das alles nur, damit einige
Individuen und Interessengrüppchen sich persönlich
bereichern können. Sogar Kriege werden aus diesem
Grunde geführt - bis hin zur Androhung der
Vernichtung ganzer Zivilisationen.
Immerhin in China scheint man erkannt zu haben,
dass alternative Energieformen nicht nur
strategisch klüger und umweltschonender sind,
sondern inzwischen auch billiger. Allein aus
diesem Grunde kann man getrost sagen, dass China
noch am ehesten als Land der Zukunft bezeichnet
werden kann. Der petrokapitalistische Sack, in dem
die beiden Weltmächte des letzten Jahrhunderts
(die USA und Russland) sitzen, dürfte bald
zugezogen werden.
Ehrlichkeit
Um zu anderen Menschen ehrlich sein zu können,
muss ich zu mir selbst ehrlich sein. Sonst kommt
es zu Missverständnissen und Fehlentwicklungen.
Meditation
Die tägliche Meditation findet stets zur
gleichen Tageszeit und unter den gleichen
Umständen statt. Aber jedes Mal ist sie
anders.
Freude, Angst, Gehetztheit, Aufbruchstimmung, Gelassenheit, Müdigkeit u.v.m.: Stets schiebt sich ein anderer "Akteur" in den Vordergrund und paradiert da vor meinen Augen. So als wäre ich ein Laufsteg der Befindlichkeiten.
Auflösung durch Gelassenheit
Bedingt durch gewisse aktuelle
Entwicklungen finde ich mich in diesen Tagen
in einem Zustand wieder, den ich aus
vergangenen Jahrzehnten bereits ziemlich gut
kenne. Es ist, als wäre ich in einer
Zeitmaschine mehrere Jahrzehnte zurück in
die Vergangenheit gereist. Und das macht
sich sowohl emotional als auch körperlich
bemerkbar.
Zwischendurch kommen Ängste auf, ich könnte
in einem ewigen Karussell gefangen sein, aus
dem es kein Entrinnen gibt und in dem sich
die Dinge ständig wiederholen.
Dann aber wieder fällt mir auf, dass sich
eben doch etwas verändert hat. Aber was? Die
Umstände sind es jedenfalls nicht. Ich bin
zwar etwas älter geworden, aber ansonsten
sind die Rahmenbedingungen denen der
Vergangenheit sehr, sehr ähnlich.
Nein, was sich wirklich geändert hat, ist
meine Einstellung zu dieser Angelegenheit.
Ich fühle mich nicht mehr dazu
herausgefordert, das Absonderliche an der
Sache "in den Griff" zu bekommen, sondern
schaffe es besser als damals, das Ganze
einfach nur staunend zu betrachten und
geschehen zu lassen.
Es könnte sein, dass dies der geeignete Weg
ist, diese Sache zu einem friedvollen Ende
zu bringen.
Ungeduld
In diesen Tagen begegne ich wieder meiner
alten Bekannten, der Ungeduld.
Das äußert sich darin, dass ich eben noch
Freude darüber empfinde, nun dies oder
jenes zu tun, mich im nächsten Moment aber
dabei erwische, wie ich mich schlecht
fühle (bis hin zu körperlichen Symptomen),
weil ich etwas anderes nicht gleichzeitig
machen kann.
Es ist ein Gefühl des Verlorenseins in
einem Überangebot an Aktivität bzw. in dem
Anspruch, alle möglichen Dinge erledigen
zu wollen. Das mündet dann nicht selten in
Verwirrung, Enttäuschung, Unwohlsein,
Frustration - alles aber unterschwellig,
ohne dass es ganz direkt greifbar wäre.
Ich nenne dies eine "alte Bekannte", denn
so weit ich mich erinnern kann, war ich
bereits als Kind und Jugendlicher so
veranlagt - zumindest mehr als etwa mein
Bruder oder andere Kinder, mit denen ich
zu tun hatte. Und auch damals litt ich
zeitweise darunter, denn ich erfuhr durch
diese Eigenschaft nicht selten Ablehnung -
ganz abgesehen von meiner eigenen
Aufgewühltheit und Frustration angesichts
irgendwelcher Dinge, die ich tun wollte,
aber nicht konnte.
Es läuft darauf hinaus, den Gegenspieler
dieser Ungeduld, die Geduld zu üben.
In diesem Sinne merke ich immer wieder
(und so auch jetzt, wo der Frühling
beginnt), dass eine gute diesbezügliche
Methode das Gärtnern ist. Hier kann ich
durch nichts das Wachstum beschleunigen.
Es ist wie es ist. Mehr noch: Ich sehe
ganz direkt die Schäden, die ich anrichte,
wenn ich getrieben von Ungeduld zu viel
des Guten tue. Da ist die Natur der
perfekte Lehrmeister.
Der Verstand
Vögel haben Flügel, damit sie fliegen
können. Haie besitzen nachwachsende
Zähne, damit sie stets für die Jagd
bereit sein können. Stabschrecken
besitzen eine perfekte Tarnung, um im
Dschungel zu bestehen.
Jedes Lebewesen besitzt eine besondere
Eigenschaft, die es befähigt, sein ganz
besonderes Leben zu führen.
Und was besitzt der Mensch?
Der Mensch besitzt seinen Verstand. Das
stark entwickelte Denken (und die damit
eng verbundene Sprache) ist das, was ihn
von seinen planetaren Mitbewohnern
unterscheidet. Es ist kein fundamentaler
Unterschied, denn auch Tiere können
denken. Es ist eher ein quantitativer
Unterschied: Menschen denken mehr und
intensiver als Tiere. So wie etwa
Menschen auch Zähne haben, aber eben
nicht so viele und so gute wie Haie.
Nun beobachte ich folgendes: Es gibt
Strömungen, vor Allem in der sich selbst
so nennenden "spirituellen" Szene, die
dazu übergegangen sind, den Verstand zu
verteufeln. Er wird als Wurzel allen
Übels festgemacht, als Sündenbock für
alles, was schief läuft. Da wird an
Techniken gefeilt, wie man seinen
Verstand ausschalten könnte, da werden
Situationen inszeniert, um den Verstand
zu diskreditieren, da werden Menschen
ins Lächerliche gezogen, die versuchen,
ihren Verstand richtig zu benutzen. Auch
mich beeindruckten derartige Theorien
zeitweise. Schließlich bieten sie eine
einfache Lösung: Wenn etwas nicht so
läuft wie gewünscht, dann werfe ich es
einfach weg.
Der Punkt ist jedoch: Kein Vogel käme
auf die Idee, sich die Flügel
abzuschneiden, nur weil er einmal aus
Versehen gegen einen Baum geflogen oder
falsch gelandet ist. Kein Hai käme auf
die Idee, sich die Zähne ziehen zu
lassen, nur weil ihm ein Opfer entwischt
ist. Jede Fähigkeit, die die Natur ihren
Geschöpfen (darunter auch uns Menschen)
übereignet hat, ist nicht perfekt,
sondern soll geübt und ihr Gebrauch
verfeinert werden.
So auch der Verstand.
Ich habe mich in der Vergangenheit viel
zu sehr mit der Dümmlichkeit derer
auseinandergesetzt, die den Verstand als
Fluch betrachten. Natürlich kenne ich
die Schleifen des Verstandes, seine
Selbstverstärkung bei sinnlosen
Angelegenheiten, sein Geblähtsein, seine
Wichtigtuerei, seine Irrwege. Aber
gerade deshalb ist es wichtig, zu
lernen, meinen Verstand
richtig zu gebrauchen. Ansonsten
werde ich nie ein richtiger Mensch sein.
Was ist Freude?
Als wir vereinbart hatten, dass ich
dieses zusätzliche Arbeitspensum
übernehmen würde, freute ich mich
darauf. Auf die neuen Erfahrungen, auf
die Abwechslung.
Als wir diese Vereinbarung nun
bereits im Vorfeld doch wieder
strichen, weil die gesamten Umstände
sich geändert hatten, empfand ich
wieder Freude. Auf die gewonnene Zeit
und die damit verbundenen
Möglichkeiten.
Es ist schon seltsam, das mit der
Freude!
Traum vom Vertrauen
Ich befinde mich (zusammen mit
M.) in einem Flugzeug. Es ist kein
gewöhnliches Flugzeug, eher eine
Wohnung, eine sehr große Wohnung.
Wir befinden uns auf einem
Langstreckenflug, der uns in ein
fernes Land, zu einem neuen
Wohnort bringt. Wir sind die
einzigen an Bord und ganz auf uns
alleine gestellt. Bei mir stellt
sich ein zwiespältiges Gefühl ein:
Es ist mir einerseits unwohl
dabei, dass es in dieser Situation
nur uns und das Flugzeug gibt, das
selbstständig zu fliegen scheint.
Wir haben keine Möglichkeit, das
Flugzeug zu lenken oder zu
beeinflussen.
Andererseits verspüre ich ein
sehr tiefes Urvertrauen, dass
alles gut so ist, wie es ist, und
dass das Flugzeug uns sicher an
unseren Bestimmungsort bringen
wird. Dieses Urvertrauen erreicht
seinen Höhepunkt, als ich bemerke,
dass wir bereits landen und aus
dem Fenster Lichter unserer
Zielstadt erblicke. Freude stellt
sich ein.
...
Das Flugzeug steht für die "Reise
des Lebens", also für das Lebens
selbst. Der Traum behandelt das
Thema der Angst angesichts von
Entwicklungen, die ich nicht
beeinflussen kann, die aber dennoch
existenziell sind. Dazu zählen etwa
weltpolitische Verwerfungen,
alltägliche Bedrohungen bis hin zu
gesundheitlichen Gefahren wie
Krankheiten und auch die Aussicht
darauf, alt und gebrechlich zu
werden.
Die meisten dieser Dinge kann ich
nicht verändern oder beeinflussen.
Deshalb ist es müßig, dagegen
anzukämpfen - und davor Angst zu
haben. Was mir bleibt, ist auf das
Urvertrauen ins Leben selbst zu
setzen.
Der Niedergang einer Weltmacht
Geradezu im Zeitraffer kann man
in diesen Tagen den Niedergang der
größten Weltmacht der Gegenwart
beobachten. Es ist eine wirklich
spannende Zeit!
Die Rede ist natürlich von den
USA, die gerade dabei sind, ihre
Macht zu verspielen. Dies ist vor
Allem deshalb möglich, weil die
entscheidenden Akteure in diesem
Land ganz offensichtlich nicht
verstanden haben, worauf die
Sonderstellung ihres Landes in der
Welt während der letzten
Jahrzehnte wirklich beruhte.
Offensichtlich wird da geglaubt,
es wären in erster Linie
militärische und wirtschaftliche
Fähigkeiten gewesen, die den USA
die Vormachtstellung ermöglicht
hätten. Und ja: In gewisser Weise
spielten (und spielen) diese Dinge
eine Rolle bei der Machtausübung.
Aber beide sind lediglich
Werkzeuge und keine Ursachen,
beruhen sie ihrerseits noch auf
etwas ganz Anderem, viel
Wichtigerem:
Seit Jahrhunderten waren die USA
mit ihrem Versprechen von
Freiheit, Recht und Toleranz der
große Leuchtturm für alle
Gedemütigten, Verfolgten,
Tyrannisierten aber auch
Kreativen, Unternehmungslustigen,
Optimisten dieser Welt. Sie zog es
in die USA und sie waren es, die
mit Ihrer Begeisterung für diese
Gesellschaft dazu beitrugen, die
amerikanische Wirtschafts- und
dann auch Militärmacht aufzubauen.
Ebenso war es pure Sympathie für
das amerikanische
Gesellschaftsmodell, welche die
USA zum Vorbild jener Leute in
fast allen Ländern der Welt werden
ließen, die zwar nicht dorthin
auswanderten, jedoch die
amerikanischen Ideale in ihren
jeweiligen Ländern zu leben
versuchten. Damit prägten sie ihre
Länder im amerikanischen Sinne.
Gleichzeitig verstanden es die
USA stets, als verlässlicher
Vertragspartner zu gelten und auf
diese Weise Allianzen der
Rechtmäßigkeit zu schmieden -
Allianzen, die es den USA
ermöglichten, den Planeten zu
führen ohne ihn zu kujonieren.
In dieser Weise ent- und bestand das amerikanische Imperium aus Menschen und Völkern, die den USA bzw. ihrem Gesellschaftsmodell aus Sympathie und Freundschaft folgten und es weitertrugen.
So, und nur so wurden die USA
zur Weltmacht.
Und das ändert sich gerade ganz
gehörig:
Angeführt von einem überforderten
Präsidenten schlagen sich die USA
derzeit auf die Seite jener
Länder, die mit Gewalt statt mit
Respekt "herrschen" wollen, mit
Engstirnigkeit statt mit
Kompromiss, mit Angst statt mit
Freude. Zwar wird diese Strategie
mittelfristig dazu führen, dass
die USA sich in irgendeiner
kriegerischen Art und Weise
"mächtig" fühlen dürfen, jedoch
wird die wahre Basis des Landes
zerstört.
So spielen die USA ab jetzt in
der Liga der mittelmäßigen
Wadenbeißer mit, die zwar viel
Schaden anrichten können, die aber
keine zivilisatorische
Leuchtturmfunktion haben.
Und damit sind die USA in
absehbarer Zeit keine Weltmacht
mehr.
Gefühle und Physis
Und da ist noch ein weiterer
Elefant im Raum:
Immer wieder erlebe ich es, dass
irgendeine körperliche
Lästigkeit (wie z.B. letzthin
eine Krankheit) direkt meine
Gedankenwelt beeinflusst. Dann
kommen pessimistische Gedanken
auf, ich mache mir Sorgen um
dies und jenes und gebe in der
Folge auch negative Äußerungen
von mir.
Gleichzeitig beobachte ich auch,
dass dieser Veränderung der
Gedanken in Wirklichkeit etwas
anderes voraus geht: eine
Veränderung meiner Gefühle.
Pessimismus und Angst sind ja
primär Gefühle, keine Gedanken.
Die kommen erst danach, als
"pessimistische Gedanken",
"Sorgen" usw..
Der springende Punkt dabei ist:
Zuerst kommen die Gefühle und
dann kommen die entsprechend
eingefärbten Gedanken. Und den
Gefühlen wiederum ist die
physische Veränderung
vorgeschaltet (Beispiel
Krankheit).
"Ich" bin bei dieser
Betrachtungsweise eine Abfolge
von physischen Veränderungen,
dadurch ausgelösten Gefühlen und
Gedanken, die am Ende Taten
bewirken können.
Gedanken
sind Worte
Den gestrigen Eintrag muss
ich korrigieren bzw. ergänzen:
Gedanken sind Worte. Die
Software meines Verstandes ist
die Sprache. Wenn meine
Gedanken sich auf sinnvolle
Weise entwickeln, dann
bedienen sie sich der Sprache.
Aber auch wenn meine Gedanken
sinnlos kreisen, dann
verwenden sie für ihr
Geplapper die Sprache. Ich
kann sie (z.B. beim
Meditieren) als Worte
wahrnehmen. Und deshalb könnte
man hier einen neuen Begriff
einführen: Gedankenworte.
Diese Erkenntnis erscheint
mit gerade wie der Elefant,
der im Raume steht. Die
einzige Unterscheidung, die es
hier noch gibt, ist die
zwischen unausgesprochenen
Worten und ausgesprochenen
Worten. Letztere sind den
Taten zuzuordnen, erstere den
Gedanken.
Die Korrektur sieht folglich
so aus:
Gedanken und Worte sind das
Gleiche. Sie sind aus dem
gleichen Holz geschnitzt: der
Sprache. Gedankenworte können
Taten bewirken. Taten sind
dann umgesetzte Gedankenworte.
Lüge
Gedanken werden zu Worten,
Worte werden zu Taten.
Taten sind materialisierte
Worte, Worte sind
ausgesprochene Gedanken.
Lüge entsteht da, wo diese
Abfolge aus irgendeinem Grund
gestört ist. Etwa weil äußere
Zwänge die Tat verhindern,
weil Mundverbote die
Aussprache verunmöglichen,
weil eine Flut von Ablenkungen
den Gedankengang stört. Lüge
heißt demnach also
gleichermaßen die Lüge des
Selbstbetrugs durch Gedanken,
die Lüge durch falsch
verwendete Worte, die Lüge der
unreflektierten Tat.
Menschen, denen dies
geschieht, sehe ich immer
besser an, wie es um sie
steht. Das betrifft
Arbeitskolleginnen genau so
wie Präsidenten von großen
Ländern, den Bäcker an der
Ecke oder einen so genannten
"spirituellen Lehrer". Ich
erkenne einfach, dass es da
einen Knacks in der genannten
Abfolge gibt, offensichtliche
Widersprüche im Dasein.
Erkennen kann ich es nur
deshalb, weil diese
störanfällige Abfolge auch in
mir selbst abläuft - inklusive
eingebauter Disharmonien,
sprich: Lügen.
Ausmaß und Relevanz von Lügen
unterscheiden sich aber sehr
von Tag zu Tag und eben auch
von Mensch zu Mensch. Und
diesen Unterschied sollte ich
immer im Auge behalten. Es ist
nämlich durchaus etwas
anderes, ob mein Bankier
vertrauenswürdig ist (oder
nicht) oder die Sitznachbarin
im Bus. Zumindest in der
Regel.
Buße
In dem Buch über den Talmud,
das ich gerade lese, wird
immer wieder die Notwendigkeit
hervorgehoben, Buße zu tun.
Alte Bücher, altmodische
Sprache.
Gemeint ist damit aber nicht,
bei einem Fehltritt in Sack
und Asche zu gehen und sich zu
ducken wie ein geprügelter
Hund. Gemeint ist vielmehr,
den Fehltritt überhaupt als
solchen anzuerkennen. Der
Rest, also das, was man
Läuterung oder Heilung nennen
könnte, kommt von alleine.
Mitunter sogar im selben
Augenblick.
Meister
Gestern lernte ich einen echten Meister kennen und bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Bislang kannte ich lediglich einen anderen Meister, nämlich A..
Menschen dieser Art erkennt man daran, dass sie ihre Arbeit mit Ernsthaftigkeit angehen - und dass sie den anderen Menschen mit Brüderlichkeit begegnen ohne ihre Freiheit aufzugeben. Sie beherrschen sich selbst und wirken darin als Vorbilder. Sie sind lebendig durch und durch, und können lachen und schimpfen, dass die Wände wackeln - und alles dazwischen auch. Ihr Handwerk beherrschen sie perfekt - sei es als Elektroingenieur, Gärtner, Wirt.
Wie wohltuend anders sind sie als jene selbst ernannten Meister im Internet, die den Menschen dieses Planeten durch Eigenlob Kompetenzen vorgaukeln, ihnen Verhaltensweisen nahelegen und sogar politische Botschaften (zumeist autoritärer Natur) ins Ohr träufeln. Ich erkenne sie oft schon an ihrem hämischen Gehüstel, das sie selbst wohl als Lachen verstanden wissen wollen. Influencer.
In mir selbst erzeugt die Begegnung mit einem echten Meister die Rückbesinnung auf das Lebendige in mir - auf die Notwendigkeit mithin, keine Minute meines Lebens zu verschwenden.